Gerro goes paris

Paris hardcore, first croissant and a lost love in Borken 💔

Ich hatte heute meinen ersten Arbeitstag. Nachdem ich gestern nach fast 10 Stunden Zugfahrt abends um 21:30 endlich in der Wohnung angekommen bin, war ich heute Morgen ziemlich platt. Doch weil es genauso lange dauert zu laufen wie mit der Bahn zu fahren, habe ich mir vorgenommen, diesen morgendlichen Walk als meine Routine wahrzunehmen.

Auf der gestrigen Zugfahrt habe ich anfangs viel gearbeitet, aber im TGV war ich dann zu müde und habe mich mit der Familie, neben der ich saß, angefreundet. Die Mama, vielleicht nicht viel älter als ich, war super cool und die beiden Kids total süß. Die Ältere der beiden, vielleicht so 11?, hat auf ihrem iPad Brawl Stars gespielt, weshalb ich direkt mal mit meinen Trophäen geflext habe – und somit war das Eis gebrochen. Die Kleine hat Disney-Prinzessinnen-Mandalas ausgemalt, während ich mit der Mama einfach ein bisschen gequatscht habe. Irgendwann wollte sie aber schlafen, weshalb ich – während die Ältere der beiden Kids zu TikTok gewechselt ist – mit der Kleinen überlegt habe, welche Farbe wir für die Krone wohl verwenden könnten, bis ich dann auch irgendwann eingeschlafen bin.

Ich habe ja immer diesen Bewegungsdrang und kann schlecht lange stillhalten, weshalb ich mich – recht schwer bepackt – dazu entschieden habe, vom Bahnhof nach Hause zu laufen, was nur so 20 Minuten oder so waren. Angekommen habe ich Wein mit meinem neuen Mitbewohner getrunken und die absolut irre Aussicht genossen!? Unser Wohnzimmer hat zwei Sofas und von dem einen hat man wegen der riesigen Fensterfront einen unglaublichen Ausblick – echt Glück gehabt. Gestern (ich schreibe diesen Beitrag erst am nächsten Tag zu Ende… ups… good start) hatte Rahel mir auch noch bestätigen können, dass ich scheinbar im besten Viertel wohne: viele schöne Bars, generell eine schöne Gegend – alsooooo all good!

Auf dem Weg zur Arbeit habe ich mir mein erstes Croissant gekauft – 0,90 € und übel lecker, jedoch so buttrig, dass ich mich nicht getraut habe, meinen Chefs bei der ersten Begegnung die Hand zu reichen. Naja… Die Verkäuferin war total lieb und bislang sind meine nicht vorhandenen Französisch-Skills überhaupt kein Problem – wer hätte das gedacht in so einer Weltmetropole, ne? Die Verkäuferin war so lieb, dass ich mir abends auf dem Rückweg noch schnell ein Baguette besorgt habe, bevor ich Rahel in der Bar getroffen habe: Ziegenkäse, gegrillte Aubergine, getrocknete Tomaten und Rucola. Irgendwie vier Euro oder so? Das Game ist strong hier. Ich glaube, ich werde mich jetzt einfach durch die ganze Produktpalette bei denen durchprobieren, weil es auch der letzte Ort ist, wo ich mir auf dem Weg zur Arbeit – abseits von den ganzen Supermärkten – etwas zu essen kaufen kann. Bin noch zu faul, richtig für zu Hause einkaufen zu gehen, aber das wird sicher passieren, sobald Sami mich hier morgen besuchen wird.

Im Büro angekommen lief schon laut Dub-Musik und wir haben die erste Stunde ganz entspannt Kaffee getrunken. Nachdem wir mittags Sushi essen waren, haben wir im Anschluss Gabber gehört, weil mein Chef zusammen mit einem Angestellten wohl vor ein paar Wochen in Belgien war und meinte, das sei jetzt der generelle Vibe hier im Büro. Nach einer Stunde Gabber sind wir aber rüber zu Rihanna, Taylor Swift, Nelly Furtado und sind irgendwann in die Abgründe der 2010er-EDM-Musik getaucht… Speaking of music: Wir haben einen super süßen, großen, wuscheligen Bürohund, der Future heißt. „Like the rapper!“, meinte Hugo zu mir. Generell, glaube ich, ein ziemlich matching Vibe. Thoma und Hugo sind die lustigen Draufgänger und Tibault ist wie so der Büro-Papa – ganz lieb und total neugierig. Der Lieblingssong von Thoma ist „In the Air Tonight“ von Phil Collins. Darauf kamen wir, als wir über Karaoke geredet haben, und als ich meinte, dass ich das total gern mag, meinten alle, dass ich unbedingt mal von der Empore aus ein Konzert geben soll (da ist auch unsere Küche – ziemlich cool).

Auf dem Rückweg habe ich noch einen Wein gekauft, weil Lucio und ich bei meiner Ankunft die Nacht zuvor den letzten, den die Wohnung hergegeben hat, leer getrunken haben. Im Supermarkt wurde ich von jemandem auf Französisch wahrscheinlich gefragt, ob ich gerade in der Schlange stehen würde, während ich auf den Kühlschrank mit dem Wein geschaut und überlegt habe, welchen ich kaufen soll. Als ich meinte, dass ich leider kein Französisch kann, kamen wir ins Gespräch und es stellte sich heraus, dass er mal ein Jahr in Dortmund gelebt hat. Als ich den Supermarkt verlassen habe, wurde ich von jemandem nach Kleingeld gefragt – selbe Geschichte: Wir kamen ins Gespräch, es stellte sich heraus, dass ich aus Deutschland komme, und die Person lebte mal ein Jahr in Köln und sechs Monate in Bonn.

Abends habe ich dann noch Rahel in einer Bar nicht weit von meiner Wohnung getroffen. So Glück gehabt!? Ich lebe scheinbar in der Area, wo man abends so ausgeht. Super! Ich war etwas früher da und hatte mich draußen neben eine Gruppe älterer Menschen gesetzt. Die Dame neben mir war – wie sich herausstellte – die Inhaberin, nachdem wir kurz gesprochen hatten. Sie hat mir Oliven und Peperoni angeboten – voll lieb! Als ich meinte, dass ich aus Deutschland komme, wurde sie ganz sentimental. Ihre große Liebe, die immer noch ihr Herz besitzt, von vor 50 Jahren ist auch Deutscher. Aus fucking Borken!? Das ist einfach übelst das Dorf, aber nicht weit weg von meinem übel kleinen Dorf. Als ich meinte, dass ich das kenne und dass das ja total klein sei, war sie total überrascht! Alle haben es voll gefeiert. Irgendwann hat sie aber beim Aufstehen Rahels Bier umgestoßen und mich damit recht nass gemacht. Ihr ging es danach sichtlich schlecht und es tat ihr unglaublich leid. Aber als Rahel meinte, dass das in Deutschland immer passiert, waren alle erleichtert! So verrückt irgendwie.

Jetzt habe ich schon einen richtig coolen Abend in Paris verbracht – mit Rahel. So cool, dass wir gerade beide hier sind! Freu mich voll auf die nächsten Tage. Gute Nacht, Friends.

xoxo Gerro

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fig 004 Thinking of you @ Samuel<33
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